Rebveredelung der Genossenschaftskellerei

Informationen

Hilfstabellen zur Unterlagenauswahl | Hinweis zur Rebenabholung | Pflanzung und Pflege von Tafeltrauben | Kriterien zur Neupflanzung eines Weinberges

 

Hilfstabellen zur Unterlagenwahl

 

WeißeRebsorten tiefgründig, humus
(kalkarm)
Löß-Lehm
flachgründig, hitzig
(kalkreich)
Keuper und Mergel
tiefgründig, schwer
(tonig)
Muschelkalk
undurchlässig, schwer
(Staunässe)
Gipskeuper und Ton
  5 BB S0 4 Binova 5 BB S0 4 Binova 5 BB S0 4 Binova 5 BB S0 4 Binova
Riesling   x x x x x       x    
Traminer   x x   x x            
Müller-Thurgau x x x x x x x     x    
Kerner   x x x     x     x    
Silvaner x x   x     x     x    
Ruländer   x x x     x     x    
Weißburgunder   x x x     x     x    
Chardonnay                        
Rote
Rebsorten
tiefgründig, humus
(kalkarm)
Löß-Lehm
flachgründig, hitzig
(kalkreich)
Keuper und Mergel
tiefgründig, schwer
(tonig)
Muschelkalk
undurchlässig, schwer
(Staunässe)
Gipskeuper und Ton
  5 BB S0 4 Binova 5 BB S0 4 Binova 5 BB S0 4 Binova 5 BB S0 4 Binova
Trollinger x   x     x     x    
Portugieser   x x x     x     x    
Dornfelder   x x x       x x x    
Lemberger   x x   x x   x x      
Schwarzriesling x x x x     x     x    
Samtrot   x x x     x     x    
Clevner   x x x     x     x    
Spätburgunder   x x x     x     x    
Regent   x x x x x       x    

Die Unterlagssorte Binova ist eine Mutation aus der SO 4. Sie ist etwas starkwüchsig, aber dennoch blühfest. Sie ist geeignet für schwerere Böden. Die Lebensdauer der Weinberge ist etwas höher. Sie ist besonders geeignet für blühempfindliche Sorten. Im Raum Heilbronn befindet sich die Unterlagsrebe seit 1976 mit Erfolg im Anbau. Seit dem Verbot der 26 G nimmt sie, außer bei schweren Lettenböden, deren Stellenwert ein.
Bei Dauerbegrünung und geringer Stickstoffdüngung sollte der Trend eher Richtung 5 BB gehen.
In jüngster Zeit wird in größeren Kellereien der Fäulnisgrad des Lesegutes bonitiert. Bei Sorten mit mittleren und geringen Erträgen (Riesling, Samtrot, Cleveren und eventuell Spätburgunder) und normalen Standräumen (2,5 qm) finden auch wieder schwächerwachsende Unterlagen wie z. B. die SO 4 verstärkt Anwendung. Der schwächere Wuchs hat einen geringeren Bortrytisbefall zur Folge. Bei Dichtpflanzugen unter einem Meter Stockabstand sollten nur Kombinationen mit der SO 4 gewählt werden.
Die neue Geisenheimer Unterlagsrebsorte Börner fällt auf durch ihre totale Reblausresistenz, gute Trockentoleranz sowie die Verzögerung der Übertragung von Viruskrankheiten durch Nematoden. Sie ist blühfest und hat eine etwas geringere Wuchskraft als die 5 BB. Bevorzugt wird sie an trockenen skelettreichen Standorten. Durch ihre extreme Chloroseanfälligkeit eignet sie sich nicht für tiefgründige, lehmige und nasse Hangfußlagen. Ähnlich verhalten sich auch die Unterlagen Cina und Sori.

Hinweis zur Rebenabholung

 

Ihre bestellten Reben stehen ab Ende März zur Abholung bereit. Bitte vereinbaren Sie mindesten einen Tag vor der Abholung mit uns den Abholtermin. Berücksichtigen Sie auch, dass Reben 12 Stunden vor der Pflanzung gewässert werden. Die Abholung der Reben erfolgt nach dem Auszeilen, wenn die genaue Stockzahl feststeht.

Übrige Reben bei der Pflanzung mit der Pflanzmaschine können zurückgebracht werden. Jedoch können maximal 3% der Bestellmenge zurückgegeben werden.

Die Reben sind bis zur Pflanzung ordentlich aufzubewahren. Reste, aber nur ganze, original verschlossene Bündel ohne Wurzelrückschnitt werden nur unmittelbar nach der Pflanzung zurückgenommen. Reben, die länger als 3 Tage außerhalb unseres Betriebes sind, dürfen aus rechtlichen Gründen nicht mehr entgegengenommen werden. Außerdem ist bei Weitergabe der Rückläufer Austriebschäden, in der vergangenen Saison, sogar Totalausfall, aufgetreten. Für diese sind wir regresspföichtig.
Durch das Fiona-Programm oder durch sorgfältiges Ausmessen dürfte es kein Problem sein, Die Rebenmenge exakter zu bestimmen. Vielleicht hilft Ihnen auch Ihr Lohnunternehmer mit der GPS.
Haben Sie ausgezeilt und pfalnzen erst ab Ende April, sollten Sie uns aus Rücksicht auf Ihre Kollegen, Ihren Rebenbedarf melden. Sind Reben knapp, werden diese nicht blockiert und kommen anderen Weingärtnern zugute.

Ab dem 20. Mai muss die bestellte Rebenmenge abgenommen werden. Unsere Reben sind alle eingeschult und die Saison ist weitgehend abgeschlossen.
Die bestellten Reben werden bis Juni aufbewahrt.

Pflanzen und Pflege von Tafeltrauben

 

Tafeltrauben im eigenen Garten sind doppelt nützlich. Von Mitte August bis Ende Oktober (je nach Sorte und Jahrgang) können Sie sich an Trauben, selbst geerntet frisch vom Stock, erfreuen. Deshalb empfehlen wir mehrere Sorten mit unterschiedlicher Reifezeit zu pflanzen.
Gleichzeitig können Sie Ihre Hauswand oder Pergola durch frisches, grünes Laub verschönern. Die Pflanzung und Pflege, die eigentlich recht einfach ist, wird nachfolgend kurz erläutert.

Standort:
Ideal ist ein Platz in einer Süd- oder Westlage, möglichst geschützt durch Gebäude oder ähnlichem. Stauende Nässe, oder zu trockener Untergrund ist ebenso zu vermeiden wie Frostgefährdende Lagen.

Pflanzung:
Der Pflanzzeitpunkt erstreckt sich über den ganzen Sommer bei Topfreben, und sollte bei Wurzelreben im April-Mai erfolgen. Beim Pflanzen sollten extrem heiße Tage vermieden werden. Zunächst gräbt man mit dem Spaten ein 30-40 cm tiefes Loch. Dann entfernt man
die Jungrebe behutsam aus dem Topf. Dabei sollte der Wurzelballen ganz bleiben. Dies erreicht man am besten, wenn der Topfrand mit einem Messer umfahren wird. Bei Wurzelreben wird der Trieb vor der Pflanzung auf ein sichtbares Auge zurückgeschnitten, und die Wurzeln auf ca. 10 - 15 cm eingekürzt. Zum Pflanzen selbst wird etwas Pflanzerde (Torf mit Sand) benötigt. Jetzt wird die Rebe ins Pflanzloch gestellt und zwar so, daß der Wurzelballen nicht zerfällt. Die Veredlungsstelle (siehe Skizze) sollte mit der Erdoberfläche abschließen. Danach wird das Pflanzloch vorsichtig zu ca. ¾ mit feiner Erde gefüllt, und die Rebe mit ca. 5L Wasser eingeschwemmt. Nach dem Versickern des Wassers wird das Loch bis zur Veredlungsstelle mit normaler Erde aufgefüllt. Bitte geben Sie keinen Mist oder Dünger direkt ins Pflanzloch. Dies kann zu Wurzelverbrennungen führen.
Direkt hinter die Rebe wird zum späteren hochbinden ein Pflanzpfahl gestellt. Die Rebe sollte in den ersten 2 - 3 Wochen täglich an heißen Tagen sogar öfter gegossen werden

Pflege:
Der verbleibende Trieb wird bis in den September hinein, je nach Zuwachs (20 - 30 cm), wiederholt angebunden. Dies geschieht am
besten mit Bast. Dabei wird der Trieb locker am Pflanzpfahl hochgebunden. Ziel sollte ein möglichst gerader und gesunder Trieb als Basis für eine Draht - oder Spalierrebe sein. Pflanzenschutzmaßnahmen gegen die gegen die Pilzkrankheiten Peronospora (falscher
Mehltau) und Oidium (echter Mehltau) sind bei entsprechender Triebentwicklung , in der Regel ab Juni bis September durchzuführen. Dabei sind dafür zugelassene Mittel in den vorgeschriebenen Aufwandmengen zu verwenden.
Meist handelt es sich um Mittel, die auch im Garten zur Anwendung kommen. Ihr Raiffeisenmarkt gibt Ihnen gerne nähere Auskunft darüber. (Gilt nicht für pilzresistente Sorten).
Eine Düngung sollte nur auf mageren Standorten, bis ca. Mitte Juni, mit einem stickstoffhaltigen Mehrnährstoffdünger (Volldünger blau) erfolgen

Pflanzzeitpunkt

 

Im Weinbau wird oft vergessen, dass es sich bei der Propfrebe um lebende Pflanzen handelt. Die Reben haben trotz allem einen endogenen Vegetationsrythmus. Jahrhunderte lange Erfahrungen und bewährte Abläufe werden verdrängt. Dabei werden die Erfordernisse der Pflanze und die Jahreszeit immer weniger berücksichtigt. Im Vordergrund steht immer mehr die Mechanisierung. Außerdem ist der Klimawandel eine bequeme Ausrede.
Für einen optimalen Aufwuchs der Junganlage zählen nicht nur gute Bodenverhältnisse, sondern auch der richtige Pflanzzeitpunkt und ein „Händchen“ für den Aufwuchs.
Die vergangenen trockenen Perioden im Frühjahr, haben die Winzer regelrecht zu einem frühen Pflanzzeitpunkt ermundert. Für die Pflanzmaschine war das ideal. Nicht jedoch für die Rebe. Häufig waren im März noch Saisonarbeitskräfte da oder man hat im April einen Osterurlaub eingeplant. Aber ist der Vorteil so groß?
In schlechten Lagen ist die Frostgefahr hoch. Jungreben, vor allem Trollinger, Lemberger, Kerner und Müller-Thurgau haben eine geringe Austriebsbereitschaft der schlafenden Augen. Es kann, bei Frühjahrsfrost, sogar zu Totalausfall kommen. Bei tiefen Temperaturen können sich sogar Frostrisse bilden, die zu Maukebildung führen. Das Zeitfenster der Frostgefahr bis zu den Eisheiligen wird um so grösser.
Wird bereits Mitte März gepflanzt muss man bis Ende April schon das dritte Mal bewässern.
Hat man nun wirklich einen Vorteil? Sie, nicht das Wetter, haben es in der Hand – Pflanzen deshalb im April.

Bitte beachten Sie nachfolgend unser Merkblatt zur Rebenabholung!

Pflanzmaschine

 

Durch ausreichende Winterfeuchte und ständig Regen im Frühjahr, muss das Pflanzen mit der Maschine unbedingt in die zweite Aprilhälfte gelegt werden. Bilder wie oben führen automatisch zu einem schlechten Jungfeld. Das Pflanzschwert verdichtet die Wände. Den Wurzeln fehlt für den nötigen Bodenschluss durch Feinerde. Der Wurzelfuß steht in der Luft. Die Folge ist ein Kümmerwuchs. Einschlämmen gelingt nicht, da Unmengen von Wasser benötig werden. Viel wichtiger ist das Andrücken nach der Pflanzung. Zu empfehlen ist auch eine Spatenprobe vor der Maschinenpflanzung. Verschmiert das Spatenblatt, wie oben der Kanal des Pflanzschwerts, ist an ein Pflanzen mit der Maschine nicht zu denken. Der Pflanzzeitpunkt sollte der Winzern nicht der Lohnunternehmer festlegen. Positiv zubewerten sind wahrscheinlich auch Pflanzungen mit einer kleineren Maschine an einem Schmalspurschlepper oder einer Raupe.
Wichtig: Einebenen der Jungfeldfläche erst 1 bis 2 Tage vor der Maschinenpflanzug - Nur so kann der Boden optimal austtrocknen.

Devrinol

 

Schon über Jahre haben Kunden, aber auch wir, in der Junganlage auf dieses Vorauflaufherbizid zurückgegriffen. Bei Streifenbehandlung unmittelbar nach der Pflanzung verhindert dieses Präparat ein Auflaufen von Samenunkräutern fast über die gesamte Vegetation. Oft kann eine Unterstock- Bodenbearbeitung entfallen. Devrinol wirkt ausschließlich auf der obersten Bodenschicht. Es hat keine Blattwirkung. Frühes Rigolen des Weinbergs im Spätsommer führt zum Auflaufen von Unkräutern im Spätherbst. Diese werden im Folgejahr nicht erfasst.

Pflanzenschutz im Jungfeld

 

Der Pflanzenschutz im Jungfeld richtet sich hauptsächlich nach der Peronospora. Beim Einsatz von phosphoriger Säure, muss beachtet werden, dass bei Verwendung von Resten aus dem normalen Spritzfass die phosphorige Säure, bei der Ausbringung mit der Rückenspritze mehrfach konzentriert ist. Ansonsten kommt es zu starken Verbrennungen des Triebes, das gilt auch für alle weiteren Spritzmittel.
Der Zusatz von Schwefel ist wichtig zur Bekämpfung von Oidium und reicht aus. Außerdem ist eine sehr gute Nebenwirkung gegen Milben, insbesondere der Kräuselmilbe, gegeben.
Die Spritzungen reichen bis weit in den September. Bei den letzten beiden Anwendungen hat sich zum Erreichen einer besseren Holzfeife, ein Einsetzen eines Kupferpräparats bewährt. Dabei sollte aufgrund der Verbrennungsgefahr nur Kupfer bei über 20° Celcius ausgebracht werden.
Anbei folgende Empfehlung der Aufwandmenge bezogen auf 10 Liter Wasser Aufwandmenge:
15 g Netzschwefel
16 g Dithane bzw. Polyram oder 10 g Folpan
10 g Kupfer als Funguran oder ähnliches. Wichtig: alleine einsetzen
20 ml Phosphorige Säure mit 30% oder 10 ml bei 60%iger Säure

Beim Zusatz von Wildverbissmitteln muss beachtet werden, dass diese die Wirkung von Netzschwefel vervielfachen. Dadurch kommt es auch zu Verbrennungen

Sortenklassen-Hilfe bei der Sortenwahl

 

Bis 1992 diente der Rebenaufbauplan mit genau definierten Sorten für entsprechende Lagen:

Sortenklasse I
Trollinger, Muskattrollinger, Muskatteller, heute Cabernet Sauvignon, Syrah, Cabernet Cubin

Sortenklasse II
Lemberger, Riesling, Silvaner, Traminer, heute Sauvignon blanc, Merlot, Cabernet franc, Cabernet Dorsa, Cabernet Mitos

Sortenklasse III
III a: Spätburgunder auch M-Klone, Samtrot Clevner, Grauburgunder, Weißburgunder, Kerner, Dornfelder, Chardonnay,
III b: Schwarzriesling, Acolon, Müller-Thurgau

Diese Regelung sollte auch heute noch bei der Sortenwahl zu Rate gezogen werden.